Stand: Oktober 2026

Kurz erklärt

  • Den Kaufpreis einer Firma bestimmt meist der nachhaltige Gewinn. Dazu kommen Nebenkosten für Berater und Notar, gegebenenfalls Grunderwerbsteuer, sowie Geld für Betriebsmittel nach der Übernahme.
  • Vor dem Kauf prüfen Sie Zahlen, Verträge, Personal und Haftungsrisiken (Due Diligence). Beim Betriebsübergang gehen zum Beispiel die Arbeitsverhältnisse auf den Käufer über (§ 613a BGB).
  • Einen zulassungspflichtigen Handwerksbetrieb können Sie ohne eigenen Meisterbrief übernehmen, wenn ein Betriebsleiter die Voraussetzungen erfüllt oder Sie eine Ausübungsberechtigung nach § 7b HwO haben.

Eine bestehende Firma zu kaufen ist für viele eine Alternative zur Neugründung: Kunden, Mitarbeiter und Abläufe sind schon da. Das Angebot ist groß – das IfM Bonn schätzt rund 186.000 Übergaben von 2026 bis 2030, die meisten davon bei Unternehmen mit 500.000 bis 1 Mio. Euro Jahresumsatz. Laut DIHK standen 2024 knapp 10.000 abgabewilligen Inhabern in den IHK-Beratungen nur 4.016 Übernahmeinteressierte gegenüber.

Dieser Artikel zeigt, wie sich der Preis zusammensetzt, was Sie vor dem Kauf prüfen sollten und welche Regeln im Handwerk gelten.

Was kostet eine Firma?

Einen Pauschalpreis gibt es nicht. Bei kleinen und mittleren Unternehmen leitet sich der Kaufpreis meist aus dem nachhaltig erzielbaren Gewinn ab, häufig als Vielfaches (Multiplikator) des bereinigten EBIT oder EBITDA. Zum Kaufpreis kommen Nebenkosten und Kapital für die ersten Monate nach der Übernahme.

Ein vereinfachtes, fiktives Beispiel: Ein Betrieb erzielt nachhaltig ein bereinigtes EBIT von 200.000 Euro. Bei einem Multiplikator von 4 ergibt sich ein Unternehmenswert von 800.000 Euro. Welcher Multiplikator angemessen ist, hängt von Branche, Größe, Kundenstruktur und der Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber ab – Orientierungswerte zeigen unsere KMU-Multiples, eine erste Spanne liefert der Unternehmenswert-Rechner.

KostenblockWas dahintersteckt
KaufpreisFür Anteile (Share Deal) oder einzelne Wirtschaftsgüter (Asset Deal); teils in Raten, als Verkäuferdarlehen oder mit Earn-out
BeratungSteuerberater, Rechtsanwalt, gegebenenfalls M&A-Berater und Gutachter für die Prüfung
NotarPflicht bei der Abtretung von GmbH-Anteilen (§ 15 Abs. 3 GmbHG) und bei Grundstückskaufverträgen (§ 311b BGB)
GrunderwerbsteuerWenn Grundstücke mitgekauft werden; den Steuersatz legt das jeweilige Bundesland fest
BetriebsmittelGeld für Löhne, Material und Miete, bis die ersten Zahlungen eingehen
InvestitionenAufgeschobene Anschaffungen, die der Käufer nachholen muss (Investitionsstau)

Worauf muss ich beim Firmenkauf achten?

Prüfen Sie vor allem die Qualität der Zahlen, die Abhängigkeit des Geschäfts vom bisherigen Inhaber, Kunden- und Lieferantenverträge, das Personal sowie rechtliche und steuerliche Haftungsrisiken. Diese strukturierte Prüfung heißt Due Diligence und findet vor dem Kaufvertrag statt.

Was gehört auf eine Checkliste für die Firmenübernahme?

Auf die Checkliste gehören Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre, aktuelle Auswertungen, Kunden- und Lieferantenliste, alle wesentlichen Verträge, Personalunterlagen, Genehmigungen sowie Ihr Finanzierungsplan. Fordern Sie die Unterlagen nach Abschluss einer Vertraulichkeitserklärung an.

Vor dem Kaufangebot

Die Begriffe Due Diligence, Letter of Intent und Kaufvertrag (SPA) erklärt das Glossar.

Kann ich eine Firma ohne Meister übernehmen?

Ja. Bei zulassungspflichtigen Handwerken muss nicht der Inhaber, sondern der Betriebsleiter die Voraussetzungen für die Handwerksrolle erfüllen (§ 7 HwO). Sie können also einen Meister als Betriebsleiter anstellen. Alternativ erhalten erfahrene Gesellen unter Bedingungen eine Ausübungsberechtigung nach § 7b HwO.

Klären Sie die Frage vor dem Kaufvertrag mit der zuständigen Handwerkskammer – ohne Eintragung darf ein zulassungspflichtiges Handwerk nicht selbstständig betrieben werden.

Wie finanziere ich einen Firmenkauf?

Üblich ist eine Kombination aus Eigenkapital, Bankkredit, Förderkrediten der KfW, Bürgschaften der Bürgschaftsbanken und Beiträgen des Verkäufers wie Verkäuferdarlehen oder Earn-out. Den Förderkredit beantragen Sie über Ihre Hausbank, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben.

Die Finanzierung ist für viele Käufer die größte Hürde: Laut DIHK haben vier von zehn Übernahmeinteressierten Probleme damit. Welche Programme es gibt und wie man mit wenig eigenem Geld auskommt, beschreibt der Artikel Firma übernehmen ohne Eigenkapital.

Wo finde ich eine Firma zum Kaufen?

Firmen zum Kauf finden Sie auf Unternehmensbörsen, über Kammern und Hausbanken, über M&A-Berater und im eigenen Branchennetzwerk. Viele Käufer kombinieren eine aktive Suche in Inseraten mit einem eigenen Kaufgesuch, auf das Verkäufer reagieren können.

Aktuelle Angebote finden Sie unter Unternehmen kaufen und in der Übersicht Unternehmen nach Branche und Region. Welche Börsen es gibt und was sie kosten, zeigt unser Vergleich der Unternehmensbörsen.

Auf Unternehmermarkt sehen Sie Inserate kostenlos. Anfragen an Verkäufer senden Sie ab dem Paket Standard (79 € im Monat inkl. MwSt., 6 Monate Mindestlaufzeit, 10 Anfragen pro Monat, ein Kaufgesuch); alle Pakete stehen auf der Seite Preise.

Die Sicht der Verkäufer verstehen

Verhandlungen laufen leichter, wenn Sie wissen, wie Verkäufer vorgehen: Der Artikel Firma verkaufen: Ablauf in 7 Schritten beschreibt ihren Prozess, Nachfolge planen die Vorbereitung und Unternehmensnachfolge in Zahlen die Marktlage. Steuerliche Fragen der Verkäuferseite behandelt Unternehmensverkauf und Steuern.

Hinweis

Dieser Artikel gibt einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Gesetze, Förderbedingungen und Preise können sich ändern; maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen. Für Ihren Einzelfall wenden Sie sich an Steuerberater, Rechtsanwalt, Hausbank oder Kammer.

Quellen

Alle Angaben wurden am 20. Oktober 2026 in den verlinkten Quellen geprüft.

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