Das Wichtigste in Kürze
- Es gibt fünf Hauptmethoden zur Unternehmensbewertung
- Die Wahl der Methode hängt von Branche und Unternehmensgröße ab
- Eine professionelle Bewertung ist Grundlage für erfolgreiche Verhandlungen
- Die Kombination mehrerer Methoden liefert oft das beste Ergebnis
Die Bewertung eines Unternehmens ist einer der entscheidendsten Schritte beim Kauf oder Verkauf. Eine realistische Einschätzung des Unternehmenswertes bildet die Grundlage für erfolgreiche Verhandlungen und schützt beide Parteien vor Fehlentscheidungen.
In diesem Artikel stellen wir Ihnen die fünf wichtigsten Bewertungsmethoden vor und erklären, wann welche Methode am besten geeignet ist.
1. Ertragswertverfahren
Das Ertragswertverfahren ist eine der am häufigsten verwendeten Methoden in Deutschland. Es basiert auf den zukünftig erwarteten Erträgen des Unternehmens und eignet sich besonders für:
- Profitable Unternehmen mit stabilen Cashflows
- Dienstleistungsunternehmen
- Unternehmen mit wenig Anlagevermögen
Gut zu wissen
Der Ertragswert wird berechnet, indem die prognostizierten Jahreserträge mit einem Kapitalisierungszinssatz abgezinst werden. Typische Zinssätze liegen zwischen 10-15%.
2. Substanzwertverfahren
Beim Substanzwertverfahren wird der Wert aller materiellen und immateriellen Vermögensgegenstände ermittelt. Diese Methode ist besonders relevant für:
- Produktionsunternehmen mit viel Anlagevermögen
- Immobilienunternehmen
- Unternehmen in Krisensituationen
3. Multiplikatorverfahren
Das Multiplikatorverfahren verwendet Kennzahlen vergleichbarer Unternehmen oder Transaktionen. Es ist schnell durchzuführen und bietet eine gute Marktorientierung.
| Branche | EBIT-Multiple | Umsatz-Multiple |
|---|---|---|
| IT & Software | 8-12x | 1,5-3x |
| Handel | 4-6x | 0,3-0,8x |
| Handwerk | 3-5x | 0,4-0,7x |
| Gastronomie | 3-4x | 0,3-0,5x |
Achtung
Multiples können stark schwanken und sollten immer im Kontext betrachtet werden. Faktoren wie Wachstum, Marktposition und Abhängigkeiten beeinflussen den tatsächlichen Wert erheblich.
4. Discounted Cash Flow (DCF)
Die DCF-Methode gilt als besonders fundiert und wird vor allem bei größeren Transaktionen eingesetzt. Sie berechnet den Barwert aller zukünftigen freien Cashflows unter Berücksichtigung eines Abzinsungsfaktors (WACC).
Vorteile: Zukunftsorientiert, berücksichtigt Wachstum, international anerkannt
Nachteile: Komplex, stark von Annahmen abhängig, aufwändig
5. Praktikermethode
Die Praktikermethode (auch: Mittelwertmethode) kombiniert Ertrags- und Substanzwert und wird häufig bei kleinen und mittleren Unternehmen angewendet.
Empfehlung
Für KMU mit einem Umsatz unter 5 Mio. € ist die Praktikermethode oft die pragmatischste Lösung. Sie ist einfach nachzuvollziehen und wird von Banken akzeptiert.
Fazit: Welche Methode ist die richtige?
Die Wahl der Bewertungsmethode hängt von verschiedenen Faktoren ab: Unternehmensgröße, Branche, Ertragslage und Transaktionszweck. In der Praxis empfiehlt es sich oft, mehrere Methoden anzuwenden und die Ergebnisse zu vergleichen.
Eine professionelle Unternehmensbewertung durch einen erfahrenen M&A-Berater ist in den meisten Fällen eine lohnende Investition – sie schafft Transparenz und eine solide Verhandlungsbasis.
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